Atemnot bei Übergewicht: Wenn Bauchfett das Atmen erschwert

Ein großer Bauchumfang kann die Lunge einengen und das Atmen behindern

Übergewichtiger Mann mit Sauerstoffmaske hält sich den Bauch, Darstellung der gesundheitlichen Belastung durch Atemnot bei Übergewicht.

Ein großer Bauchumfang kann die Lunge einengen und das Atmen erschweren. Bei Übergewicht drückt das Fettgewebe auf Zwerchfell und Brustkorb, wodurch weniger Sauerstoff in den Körper gelangt. Herz und Lunge müssen stärker arbeiten, was die Belastung erhöht. Durch Gewichtsreduktion, Bewegung und Atemtraining lässt sich die Atmung oft verbessern und die Lebensqualität steigern.

Letzte Änderung
22.01.2026
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Wie die Atmung funktioniert

Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel. Es zieht sich beim Einatmen zusammen, senkt sich ab und schafft Platz, damit sich die Lunge mit Luft füllen kann. Beim Ausatmen entspannt es sich.

Bei Übergewicht oder Adipositas, insbesondere mit Bauchfett, wird dieser Mechanismus gestört: Das Fett im Bauchraum drückt auf das Zwerchfell, die Lunge kann sich nicht mehr vollständig entfalten, und der Sauerstoffaustausch ist eingeschränkt. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf, weil der größere Körper mehr Energie benötigt.1

Warum Übergewicht die Atmung erschwert

Übergewicht beeinträchtigt die Atmung auf mehreren Ebenen – durch körperliche Einschränkungen, Veränderungen der Lungenfunktion und eine zusätzliche Belastung des Herz-Kreislauf-Systems.

Mechanische Belastung durch Bauch- und Brustfett

Ein wesentlicher Grund für die erschwerte Atmung bei Übergewicht ist die mechanische Belastung durch überschüssiges Fettgewebe im Bauch- und Brustbereich.

  • Bauchfett (viszerales Fett) drückt das Zwerchfell nach oben.
  • Fetteinlagerungen in der Brustwand verringern die Elastizität des Brustkorbs.

Dadurch kann die Lunge weniger Sauerstoff aufnehmen – besonders im Sitzen, Liegen oder beim Bücken. Menschen mit hohem Body-Mass-Index (BMI) leiden deutlich häufiger unter Atemnot schon bei geringer Belastung.2

Mehr Energiebedarf, weniger Luft

Mit zunehmendem Körpergewicht steigt der Sauerstoffbedarf, weil die Muskulatur mehr arbeiten muss. Das Herz pumpt stärker, die Atemfrequenz nimmt zu – und dennoch entsteht häufig das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.

Bei Adipositas ist zudem die Dehnbarkeit der Lunge (Lungencompliance) eingeschränkt, wodurch sich das Atmen anstrengender anfühlt.1

Neuere Studien zeigen außerdem, dass sich bei starkem Übergewicht Fettzellen in den Atemwegswänden der Lunge ablagern können. Diese Einlagerungen können die Atemwege verengen, Entzündungen fördern und die Atmung zusätzlich erschweren.3

Herz als Mitverursacher

Übergewicht erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Herzschwäche. Wenn das Herz weniger effizient pumpt, kann sich Flüssigkeit in der Lunge stauen – die Folge ist Atemnot bei Anstrengung oder im Liegen.1

Typische Symptome und Situationen

Atemnot durch Übergewicht zeigt sich meist schleichend und zunächst bei körperlicher Belastung. Mit der Zeit kann sie auch in Ruhe auftreten.

  • Kurzatmigkeit beim Gehen oder Treppensteigen – die Luft wird knapp, obwohl die Bewegung gering erscheint.
  • Atemnot beim Bücken oder Liegen – insbesondere beim Schuhe anziehen oder im Bett, wenn das Bauchgewicht auf das Zwerchfell drückt.
  • Druckgefühl auf der Brust – verursacht durch eingeschränkte Lungenbewegung oder zusätzliche Herzbelastung.
  • Schneller Puls, Schwindel, Müdigkeit – entstehen, wenn der Körper zu wenig Sauerstoff erhält und Herz sowie Kreislauf kompensieren müssen.

Diese Symptome sollten nicht als normale Begleiterscheinung von Übergewicht abgetan werden. Sie sind häufig ein Hinweis darauf, dass Herz, Lunge und Atemmuskulatur überlastet sein können und medizinisch abgeklärt werden sollten.

Häufige Begleiterkrankungen

Bleibt die Atembelastung über längere Zeit bestehen, können sich verschiedene Begleiterkrankungen entwickeln oder verstärken. Viele davon stehen in engem Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig.

Obstruktive Schlafapnoe

Bei Übergewicht lagert sich Fettgewebe auch im Bereich des Rachens ab. Dieses verengt die oberen Atemwege, sodass es im Schlaf zu wiederholten Atemaussetzern (Apnoen) kommt und eine Schlafstörung entstehen kann. Betroffene schlafen unruhig, wachen häufig auf und fühlen sich am nächsten Tag müde oder unkonzentriert. Unbehandelt erhöht die Schlafapnoe das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Stoffwechselstörungen.1

Neben Gewichtsreduktion kann eine Atemmaske (CPAP-Therapie) helfen, die die Atemwege während des Schlafs offenhält und den Sauerstoffgehalt stabilisiert. Diese Behandlung sollte stets ärztlich verordnet und überwacht werden.

Obesitas-Hypoventilationssyndrom (OHS)

Beim Obesitas-Hypoventilationssyndrom (OHS) arbeitet das Zwerchfell dauerhaft gegen den Druck des Bauchfetts. Dadurch gelangt weniger Luft in die Lunge, Kohlendioxid (CO₂) staut sich im Blut, und es entsteht ein chronischer Sauerstoffmangel.  Zusätzlich reagiert das Atemzentrum im Gehirn weniger empfindlich auf erhöhte CO₂-Werte – die Atmung wird dadurch weiter abgeschwächt. Betroffene leiden unter anhaltender Kurzatmigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen.

Eine gezielte Gewichtsreduktion steht im Mittelpunkt, ergänzt durch Atemtherapie oder eine nicht-invasive Beatmung (BiPAP), um die Atmung zu unterstützen und den CO₂-Spiegel zu senken. Auch hier ist eine ärztliche Kontrolle unerlässlich, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Therapie individuell anzupassen.

Herzinsuffizienz

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck und Gefäßveränderungen können das Herz überlasten. Wenn es nicht mehr ausreichend Blut in den Kreislauf pumpt, staut sich Flüssigkeit in der Lunge – das führt zu Atemnot bei Anstrengung oder im Liegen.1 Symptomatisch sind geschwollene Beine, Müdigkeit und ein schneller Puls.

Neben medikamentöser Behandlung (z. B. Entwässerungs- und Herzstärkungsmittel) können Gewichtsabnahme, Salzreduktion und moderates Ausdauertraining die Herzleistung verbessern und die Atemnot lindern. Die Behandlung gehört in die Hände von Fachärzten und Fachärztinnen für Kardiologie oder Innere Medizin.

Diese Begleiterkrankungen sind häufig miteinander verknüpft – so verstärkt etwa Schlafapnoe die Herzbelastung, und Herzschwäche verschlimmert wiederum die Atemnot. Eine frühzeitige ärztliche Diagnose und individuell abgestimmte Behandlung sind entscheidend, um die Atemfunktion zu stabilisieren, die Herzgesundheit zu schützen und die Lebensqualität langfristig zu verbessern.

Wie Begleiterkrankungen sich gegenseitig verstärken

Atemprobleme bei Übergewicht treten häufig nicht allein auf. Erkrankungen wie Schlafapnoe, OHS und Herzinsuffizienz können sich gegenseitig beeinflussen und die Atemnot verschlimmern:

  • Schlafapnoe belastet durch nächtliche Atemaussetzer das Herz.
  • OHS führt zu dauerhaft flacher Atmung und erhöht den CO₂-Spiegel.
  • Herzinsuffizienz verstärkt Atemnot, weil sich Flüssigkeit in der Lunge stauen kann.

So entsteht ein Teufelskreislauf: Atemprobleme schwächen das Herz – und eine Herzschwäche verschlechtert die Atmung weiter.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist eine interdisziplinäre Behandlung entscheidend – idealerweise durch Fachleute aus Pneumologie, Kardiologie und Adipositasmedizin.

Was hilft gegen Kurzatmigkeit bei Übergewicht

Wer unter Atemnot bei Übergewicht leidet, kann aktiv etwas tun, um die Atmung zu erleichtern und wieder besser Luft zu bekommen. Neben kurzfristigen Maßnahmen, die akute Beschwerden lindern, spielen vor allem medizinisch begleitete Behandlungsstrategien eine wichtige Rolle. 

Kurzfristige Maßnahmen

Diese Strategien können kurzfristig helfen, die Atmung zu stabilisieren und Erleichterung zu schaffen:

  • Aufrechte Sitzhaltung: Entlastet das Zwerchfell und verbessert die Lungenbelüftung – besonders hilfreich beim Sitzen oder Liegen.
  • Langsame, gleichmäßige Atmung: Atemtechniken wie die Lippenbremse oder bewusste Bauchatmung stabilisieren den Atemrhythmus und beruhigen den Kreislauf. Es ist sinnvoll, ärztlich zu klären, ob eine Atemphysiotherapie oder Atemschulung hilfreich ist.
  • Lockere Kleidung: Verhindert zusätzlichen Druck auf Brust und Bauch und gibt dem Atemraum mehr Platz.
  • Frische Luft: Ein kühler, gut belüfteter Raum mindert das Engegefühl und steigert das Wohlbefinden.
  • Ruhe bewahren: Panik verschlechtert die Sauerstoffaufnahme – bewusstes, ruhiges Atmen hilft, die Kontrolle zurückzugewinnen.

Langfristige Maßnahmen

Dauerhafte Veränderungen im Lebensstil können die Atemfunktion nachhaltig verbessern und Herz sowie Lunge entlasten:

  • Gewichtsreduktion: Schon 5–10 % weniger Körpergewicht verbessern die Atemmechanik deutlich.4 Das Zwerchfell kann sich wieder freier bewegen, und die Lunge entfaltet sich besser. Ärztlich überwachte Programme oder medikamentöse Unterstützung – etwa durch inkretin-basierte Therapien (z.B. "Abnehmspritzen") – können den Gewichtsverlust unterstützen.
  • Regelmäßige, körperliche Bewegung: Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren können die Atemmuskulatur stärken, die Ausdauer steigern und Belastungsatemnot reduzieren.
  • Atemübungen: Zwerchfelltraining und Bauchatmung fördern eine tiefere, bewusstere Atmung – effektiv bei chronischer Kurzatmigkeit.
Wann zum Arzt

Atemnot sollte immer ernst genommen werden. Eine ärztliche Untersuchung ist erforderlich, wenn die Beschwerden

  • schon bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe auftreten,

  • plötzlich deutlich zunehmen oder

  • mit Brustschmerzen, Schwindel oder einer Blaufärbung von Lippen oder Fingern einhergehen.

  • Bei starkem Übergewicht besteht ein erhöhtes Risiko für Durchblutungsstörungen in der Lunge (Lungenembolie). Tritt die Atemnot plötzlich oder sehr stark auf, gilt: Notruf 112 wählen.

Zusammenfassung

Häufige Fragen

Übergewicht – besonders im Bauchbereich – belastet den gesamten Atemapparat. Das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, kann sich durch das zusätzliche Fettgewebe im Bauchraum schlechter nach unten bewegen. Dadurch verringert sich das Lungenvolumen, und die Atmung wird flacher. Gleichzeitig benötigt der Körper mehr Sauerstoff, weil die Muskulatur stärker arbeiten muss, um das höhere Gewicht zu bewegen. Schon geringe Belastungen können deshalb zu spürbarer Atemnot führen.

Beides spielt eine Rolle:

  • Bauchfett drückt beim Sitzen, Bücken oder Gehen auf das Zwerchfell und schränkt die Ausdehnung der Lunge ein.
  • Fettgewebe im Brustraum und um die Atemmuskulatur vermindert die Beweglichkeit des Brustkorbs.

Die Lunge selbst ist in der Regel gesund, arbeitet aber unter ungünstigen mechanischen Bedingungen. Zusätzlich können Entzündungsprozesse, die bei Adipositas häufig auftreten, die Lungenfunktion langfristig beeinträchtigen.

  • Gewichtsreduktion: Schon 5–10 % weniger Körpergewicht können die Atemmechanik deutlich verbessern.4
  • Atemübungen: Die Lippenbremse oder die bewusste Bauchatmung trainieren das Zwerchfell und mindern Atemnot.
  • Ausdauertraining: Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen stärken Herz und Lunge, ohne sie zu überlasten.
  • Aufrechte Körperhaltung: Eine aufrechte Position beim Sitzen oder Gehen verbessert die Lungenbelüftung.
  • Medizinische Abklärung: Wenn Atemnot häufig oder plötzlich auftritt, sollte ärztlich geprüft werden, ob beispielsweise Herzschwäche oder Schlafapnoe vorliegen.

Ja – in den meisten Fällen. Mit sinkendem Gewicht kann sich das Zwerchfell wieder freier bewegen, die Lunge dehnt sich besser aus und der Sauerstoffbedarf sinkt. Studien4 zeigen, dass eine Gewichtsabnahme die Atemleistung verbessert, insbesondere bei Menschen mit Adipositas-Hypoventilationssyndrom oder Schlafapnoe.

Ja, Atemnot kann ein Warnzeichen sein. Wenn sie bereits in Ruhe, nachts oder plötzlich auftritt, kann eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken, etwa:

  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Schlafapnoe
  • Adipositas-Hypoventilationssyndrom

Eine ärztliche Abklärung ist notwendig.

  • Aufrechte Haltung einnehmen: Mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper hinsetzen und die Arme abstützen (z. B. auf den Knien oder einem Tisch).
  • Lippenbremse: Durch leicht geschlossene Lippen langsam ausatmen – das stabilisiert die Atemwege.
  • Ruhig und gleichmäßig atmen: Hektisches Atmen vermeiden.
  • Kühle Luft oder Ventilator: Kann das Atmen subjektiv erleichtern.

Wenn die Atemnot zunimmt, plötzlich auftritt oder mit Brustschmerz, Schwindel oder bläulichen Lippen verbunden ist, den Notarzt (112) rufen.

Nein, Saxenda® kaufen ohne Rezept ist nicht erlaubt. Das Medikament ist verschreibungspflichtig und darf nur mit einer ärztlichen Verordnung in Apotheken abgegeben werden.

Ja, ein Wegovy® Rezept ist zwingend erforderlich, da das Medikament verschreibungspflichtig ist. Nur mit einer ärztlichen Verordnung darf es in Apotheken abgegeben werden – online oder vor Ort.

  1. Shah, N., & Kaltsakas, G. (2023). Respiratory complications of obesity: From early changes to respiratory failure. Breathe, 19(1), 220263. https://doi.org/10.1183/20734735.0263-2022 
  2. Currow, D. C., Dal Grande, E., Sidhu, C., Ekström, M., & Johnson, M. J. (2017).
    The independent association of overweight and obesity with breathlessness in adults: A cross-sectional, population-based study. European Respiratory Journal, 50(3), 1700558. https://doi.org/10.1183/13993003.00558-2017
  3. van Schadewijk, W., Faiz, A., Vermeulen, C. J., van den Berge, M., Timens, W., Hiemstra, P. S., & Brandsma, C.-A. (2019). Airway wall adiposity and inflammation in asthma. European Respiratory Journal, 54(6), 1900457. https://doi.org/10.1183/13993003.00457-2019 
  4. Svartengren, M., Cai, G.-H., & Malinovschi, A. (2020). The impact of body mass index, central obesity and physical activity on lung function: Results of the EpiHealth study. ERJ Open Research, 6(4), 00214-2020. https://doi.org/10.1183/23120541.00214-2020
  5. Astrup, A., Kristensen, M., Gregersen, N. T., Belza, A., Lorenzen, J. K., Due, A., Larsen, T. M., & Saris, W. H. M. (2020). Protein intake and weight management: From evidence to recommendations. The American Journal of Clinical Nutrition, 112(Suppl 2), https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34579069/