Wann und wie Microdosing bei medikamentöser Gewichtsreduzierung sinnvoll ist

Moderne Medikamente zum Abnehmen wie Wegovy® oder Saxenda® oder Mounjaro® sind teuer und haben häufig Nebenwirkungen. Mit Microdosing, also der Einnahme von extrem geringen Mengen des Wirkstoffs, kann man diese Nachteile vermeiden oder verringern – so jedenfalls behaupten es zahlreiche Social Media Influencer:innen. Aber medizinisch gibt es aktuell weder Belege dafür, dass diese Mikrodosierungen tatsächlich wirken, noch kann man ausschließen, dass auch diese Kleinstmengen gesundheitliche Folgen haben. In Europa wird Microdosing von inkretin-basierten Medikamenten nur Off-Label angewendet – auf ärztlichen Rat und unter medizinischer Betreuung. Auch wenn Microdosing sinnvoll sein kann, um Patienten und Patientinnen individueller zu behandeln und Ärzten und Ärztinnen mehr Flexibilität zu geben, ist die aktuelle Studienlage zu dünn für klare Empfehlungen.
Moderne GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid oder Liraglutid und GIP-/GLP-1-Agonisten wie Tirzepatid haben die Behandlung von Übergewicht und Adipositas (starkes Übergewicht) verbessert. Die Medikamente helfen Betroffenen nicht nur abzunehmen, sondern gleichzeitig auch ihr Risiko für Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen zu senken. Die Medikamente sind teuer und können Nebenwirkungen haben.
Da diese Wirkstoffe noch relativ neu sind, besteht weiterhin Forschungsbedarf – etwa zur langfristigen Wirksamkeit, Sicherheit und optimalen Dosierung. In den USA ist ein Trend entstanden, der diesem Entwicklungsprozess vorgreift: das Microdosing von GLP-1- und GIP-/GLP-1-Rezeptor-Agonisten.
Beim Microdosing wendet man ein Medikament in geringen Mengen an. Medizinisch nutzt man Microdosing in Phase-0-Studien, die die Verteilung und den Abbau eines Wirkstoffs im Körper erforschen. Die verwendeten Mengen liegen dabei weit unterhalb der Menge, die nachweisbar wirksam ist.
Im Rahmen der Selbstoptimierungswelle der letzten Jahrzehnte entwickelte sich, vor allem aus dem Silicon Valley kommend, der Trend, Drogen und Psychedelika wie LSD in geringen Dosen einzunehmen. Die damit verbundene Hoffnung: Wirkung ohne Nebenwirkung. Die Geringstmengen an Drogen sollten die Kreativität und Leistungsfähigkeit erhöhen, ohne Nebenwirkungen zu haben oder süchtig zu machen. Inzwischen gibt es diesen Trend vor allem in Amerika auch bei Wirkstoffen zur Gewichtsreduktion wie Semaglutid (Wegovy®), Liraglutid (Saxenda®) oder Tirzepatid (Mounjaro®). Hier erhoffen sich die Nutzer:innen eine ausreichende Wirkung bei weniger Nebenwirkungen und/oder geringeren Kosten.
Es gibt medizinische Gründe, Microdosing bei Abnehmmedikamenten zu erforschen. Starke Nebenwirkungen oder Lieferengpässe zwingen Ärzte und Ärztinnen dazu, kreative Lösungen zu suchen. Einige wünschen sich mehr Flexibilität bei der Dosierung, um Patienten und Patientinnen individueller behandeln zu können. In einem Positionspapier1 befürworten Forscher:innen der Universität von North Carolina (USA) weitere Forschung und medizinische Vorgaben für Microdosing von GIP-/GLP-1-Rezeptor-Agonist.
Neben einer individuelleren Behandlung fänden die Mediziner:innen Microdosing vor allem sinnvoll, um
Microdosing ist relativ einfach - aber unsicher - mit Medikamenten möglich, die als Multipens erhältlich sind. Diese können unterschiedliche Dosierungen abgeben. Neben den voreingestellten Klicks für die wöchentliche Standarddosis, haben die Multipens unmarkierte “Zwischenklicks”, die eine sehr geringe Menge (z. B. 0,05 -0,125 mg Semaglutid anstatt der wöchentlichen Anfangsdosis von 0,25 mg) abgeben. Indem man also bei jeder Injektion nur einen oder mehrere dieser “Zwischenklicks” aktiviert, kann man geringere Dosen als die Standarddosierungen verabreichen.
Bitte beachte: Microdosing mit Zwischenklicks ist von den Herstellern nicht empfohlen und stellt einen Missbrauch des Pens dar.
Microdosing von Medikamenten wie Wegovy®, Saxenda® oder Mounjaro® ist nicht empfohlen und sollte nicht auf eigene Faust erfolgen.
Die Handhabung ist technisch anspruchsvoll und birgt praktische wie gesundheitliche Risiken:
In Deutschland ist Mikrodosierung von Abnehmmedikamenten nur als Off-Label-Verwendung möglich. Das heißt, Ärztinnen und Ärzte entscheiden auf eigene Verantwortung darüber, das Medikament in einer anderen Dosierung zu verabreichen als vom Hersteller getestet und empfohlen. Wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Dosierung für Dich noch nicht gut passt und Du Dir Microdosing für Dich als Alternative vorstellen kannst, sprich zuerst mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt und lass Dich beraten. Vielleicht gibt es für Dein Anliegen auch andere Lösungen wie den Wechsel zu einem anderen Medikament oder eine Veränderung der Standarddosierung.
Wenn Du Microdosing unter ärztlicher Begleitung anwendest, solltest Du darauf achten, dass Du eine ausführliche Einweisung in die Anwendung der “Mikro-Klicks” erhältst.
Dazu kann man aktuell keine Aussagen treffen, da es noch keine seriöse Forschung zur kurz- und langfristigen Wirkung von Kleinstdosierungen gibt. Erfahrungen, die über Social Media geteilt werden, sind individuelle Einzelbeobachtungen, deren Wahrheitsgehalt zudem unklar ist.
Grundsätzlich ja, denn es wird ja weniger Wirkstoff verbraucht. Aber Microdosing ist nur als Off-Label-Anwendung möglich und muss ärztlich begleitet werden. Die Geldersparnis ist zudem begrenzt, da die Wirkstoffe geöffnet nur begrenzt haltbar sind (die meisten ca. 4 Wochen), sodass evtl. Wirkstoff entsorgt werden muss.
Ja, wenn das Microdosing mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt abgesprochen ist und Du eine Einweisung in die Anwendung der Multipens mit Klicks erhalten hast.
Compounding, also die individuelle Herstellung maßgeschneiderter Arzneimittel, ist in Deutschland nur Apotheken erlaubt und unterliegt strengen Vorschriften. Obwohl das Compounding von GIP-/GLP-1-Rezeptor-Agonisten in Deutschland grundsätzlich möglich wäre, ist es derzeit rechtlich und praktisch nicht vorgesehen. Die Komplexität der Wirkstoffe, hohe Anforderungen an Qualitätssicherung, Zulassungspflicht und regulatorische Hürden verhindern eine verbreitete oder empfohlene Compound-Herstellung solcher Medikamente.
GLP-1-Microdosing solltest Du nur unter ärztlicher Begleitung durchführen. Wenn Du starke Nebenwirkungen bei Dir beobachtet, sprich mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt und lass Dich beraten, welche Veränderungen Du an Deiner Dosierung oder an Lebensstilmaßnahmen vornehmen kannst, um die Nebenwirkungen zu reduzieren.
GLP-1-Microdosing ist aktuell dann tabu, wenn es nicht ärztlich verordnet und begleitet ist. Es gibt derzeit keine seriöse wissenschaftliche Grundlage für eine sichere Anwendung von GLP-1-Microdosing.
Nein, Wegovy® kaufen ohne Rezept ist nicht möglich. Das Medikament ist verschreibungspflichtig und kann nur mit einer ärztlichen Verordnung in der Apotheke erworben werden.
Du kannst Saxenda® bestellen, wenn Dir ein Arzt ein gültiges Rezept ausgestellt hat. Danach ist die Bestellung über eine zertifizierte Versandapotheke möglich.