Wann wird Ozempic® angewendet?

Ozempic® ist ein Medikament, das zur Gewichtsreduktion und Blutzuckersenkung bei Typ 2 Diabetes zugelassen ist. Nach Abwägung von Risiko und Nutzen kann es auch ausschließlich zur Gewichtsabnahme bei Übergewicht und Adipositas eingesetzt werden. Doch ist auch eine Anwendung bei Lipödem, PCOS oder Fettleber sinnvoll bzw. angebracht? Erfahre mehr in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ozempic® ist für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, kann aber auch zur Gewichtsreduktion bei Adipositas verschrieben werden. 
  • Studien legen nahe, dass der Wirkstoff in Ozempic® auch das Fortschreiten von Erkrankungen wie Lipödem oder PCOS reduzieren könnte.
  • Es braucht weitere Forschung, um noch mehr über potenzielle Anwendungsgebiete von Ozempic® in Erfahrung zu bringen.

Was ist Ozempic®?

Semaglutid, der Wirkstoff in Ozempic®, ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, der für eine erhöhte Insulinproduktion und -ausschüttung sorgt. Ozempic hemmt das Hungerempfinden und verlangsamt die Bewegung und Entleerung der Verdauungsorgane, sodass Du Dich länger satt fühlst. Beide Mechanismen sorgen in der Regel für einen Gewichtsverlust.

Für wen ist Ozempic® geeignet?

Ozempic® ist für Menschen mit Typ 2 Diabetes zugelassen, die trotz der Einnahme anderer Antidiabetika ihren Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken können.

Des Weiteren kann es Menschen mit Adipositas und mit anderen gewichtsbedingten Erkrankungen von einem Arzt / einer Ärztin Off-Label verschrieben werden.

Ozempic® bei Diabetes Typ 2

Personen mit Diabetes mellitus Typ II entwickeln eine Insulinresistenz und können schlechter oder nicht mehr ausreichend selbstständig Insulin produzieren. Ein nicht gut behandelter Diabetes oder schädigt langsam die großen und kleinen Blutgefäße und kann zu vielen Folgeerkrankungen führen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall oder Diabetisches Fußsyndrom.

Laut den Leitlinien zur Behandlung von Typ 2 Diabetes können Semaglutide wie Ozempic® ergänzend zu einem anderen Antidiabetikum, wie z. B. Metformin angewendet werden. Liegt durch weitere Vorerkrankungen ein besonders hohes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vor, ist es sogar das Antidiabetikum erster Wahl.

Ozempic® bei Typ 1 Diabetes
Im Gegensatz zu einer erworbenen Insulinresistenz (Diabetes Typ 2) darf Ozempic® bei Diabetes Typ 1 nicht angewendet werden. Diabetes mellitus Typ I ist eine Autoimmunerkrankung: Der eigene Körper (autoimmun) zerstört dabei insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse. Das führt zu einem absoluten Insulinmangel. Ozempic® allein kann in diesem Fall den Blutzucker nicht ausreichend senken. Eine Insulintherapie ist notwendig. Die Kombination von Insulin mit Ozempic® erhöht jedoch die Gefahr einer Unterzuckerung. Wenige Studien zeigen aber auch, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes von den herzschützenden Eigenschaften durch Ozempic® profitieren und bei neu diagnostizierten Typ- 1-Diabetes-Erkrankungen den Insulinbedarf senken.¹ ² Es braucht weitere Forschung, ob und wie Ozempic® zukünftig auch bei dieser Erkrankung eingesetzt werden kann.

Ozempic® bei Adipositas

Nach Abwägung von Risiko und Nutzen können Ärzte / Ärztinnen Ozempic® auch übergewichtigen Personen ohne Diabetes verschreiben, um die Gewichtsabnahme zu unterstützen. Folgende Voraussetzungen müssen dann erfüllt sein:

  • BMI ≥30 kg/m2 
  • BMI ≥27 kg/m2 und mindestens eine weitere gewichtsbedingte Erkrankung, wie z.B. Bluthochdruck oder Prädiabetes.

Starkes Übergewicht (Adipositas) ist eine chronische Erkrankung und ein hoher Risikofaktor für eine Vielzahl von Folgeerkrankungen. Für Personen mit Normalgewicht (BMI: 18,5 – 24,9) bzw. Übergewicht (BMI 25 – 29,9) ohne eine gewichtsbedingte Erkrankung ist Ozempic nicht geeignet: Hier überwiegen die potenziellen Nebenwirkungen die ästhetischen Aspekte.

Anwendung bei spezifischen Patientengruppen

Neben Diabetes und Adipositas kann Ozempic® auch bei weiteren Erkrankungen, die häufig mit Übergewicht einhergehen, eine vielversprechende Lösung sein.

Ozempic® bei Lipödem

Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung. Dabei sind Fettzellen in bestimmten Körperbereichen symmetrisch, zumeist in beiden Beinen, vergrößert. Überwiegend sind Frauen von einem Lipödem betroffen. Zu den Symptomen zählen: Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerung.

Übergewicht ist zwar nicht der Auslöser für Lipödem, erhöht aber die Anzahl der Fettzellen und verschlimmert die Wassereinlagerungen und Schmerzen. Um den Fortschritt eines Lipödems zu verhindern, ist es daher notwendig, ein Normalgewicht zu erreichen.

Da es für Frauen mit Lipödem aufgrund der Schmerzen eine Herausforderung sein kann, regelmäßig Sport zu treiben, kann die Anwendung von Ozempic® sinnvoll sein, um einen Gewichtsverlust zu unterstützen bzw. ein Normalgewicht zu halten. Klinische Studien zeigen zudem, dass Ozempic® Entzündungen reduzieren und dadurch weitere Flüssigkeitseinlagerung verhindern könnte.

Ozempic® bei PCOS

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten Hormonstörungen von Frauen im gebärfähigen Alter. Ein unregelmäßiger Menstruationszyklus, ein männliches Erscheinungsbild (z. B. Behaarungsmuster, tiefere Stimme, Hautveränderungen) und Übergewicht sind Merkmale, die auf PCOS hindeuten können. Weitere Symptome können Eierstöcke mit vielen Zysten (polyzystisch) und eine Fettleber sein.

Eine genaue Ursache für die Krankheit ist nicht bekannt. Vermutet wird eine reduzierte Empfindlichkeit gegenüber Insulin (Insulinresistenz). Das führt zu einer höheren Produktion von Sexualhormonen und zur Entwicklung eines metabolischen Syndroms.

Studien zeigen, dass die Anwendung eines Wirkstoffs wie Semaglutid bei PCOS nicht nur zu einer Gewichtsreduktion und einem verbesserten Blutzuckerspiegel führt. Auch der Menstruationszyklus normalisiert sich. Folglich kam es zu mehr Schwangerschaften, was bei Frauen mit PCO-Syndrom aufgrund des selteneren Eisprungs häufig zur Herausforderung werden kann. ³ ⁴

Ozempic® bei Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann aus vielen Gründen entstehen. In den meisten Fällen wird sie durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse (Hashimoto-Thyreoiditis) verursacht. Infolge der Erkrankung werden zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. Daraus resultiert häufig eine Gewichtszunahme.

Sprich unbedingt mit Deinem behandelnden Arzt / Deiner behandelnden Ärztin, ob eine Behandlung mit Ozempic® in Anhängigkeit von Deinen Schilddrüsenwerten und -medikamenten sinnvoll ist.

Ozempic® bei Fettleber

Personen mit dem metabolischen Syndrom oder Diabetes Typ 2 leiden häufig unter einer nicht-alkoholischen Fettleber (NASH). Es gibt zwar keine Studien, die einen konkreten Zusammenhang zwischen einer Ozempic® Behandlung und einer Fettleber erforscht haben. Jedoch ließ sich eine Verbesserung bzw. Normalisierung der Fettleber bei Typ 2 Diabetes-Patienten beobachten sowie ein langsameres Fortschreiten der Erkrankung.³

Langfristige Auswirkung auf das Körpergewicht

Ozempic® kann Dich bei der Gewichtsabnahme unterstützen. Wichtig ist, dass die Behandlung immer mit einer Ernährungsumstellung und ausreichend körperlicher Bewegung kombiniert wird. Sobald Du Ozempic® absetzt, normalisiert sich Dein Appetit und die Wahrscheinlichkeit, wieder zuzunehmen, steigt.

Zusammenfassung

Ozempic® ist nur für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen, kann aber auch Off-Label nur zur Gewichtsreduktion bei Adipositas verschrieben werden. Darüber hinaus zeigt der Wirkstoff Semaglutid bereits weitere vielversprechende Anwendungsgebiete bei spezifischen Gesundheitsproblemen, die meist mit Übergewicht einhergehen. Weitere Forschung ist notwendig, um noch mehr über potenzielle Anwendungsgebiete von Ozempic® in Erfahrung zu bringen.

Quellenangaben

Links