Abnehmen in Deutschland: Wo der Wunsch nach Veränderung am größten ist

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig – und fast jeder Fünfte leidet an Adipositas, also starkem Übergewicht. Der gesellschaftliche Druck, etwas dagegen zu tun, ist enorm. Medizinisch spricht viel dafür. Besonders zum Jahresstart zeigt sich ein wiederholendes Bild bei vielen Menschen: gute Vorsätze, volle Fitnessstudios, überfüllte Diät-Foren. 

Geschrieben von
GoLighter Redaktion
Letzte Änderung
06.03.2026
Lesezeit
10
min

Doch wie groß ist dieses Interesse – und wo in Deutschland ist es am stärksten? Eine Antwort liefert Google: Denn Suchanfragen zeigen uns, welche Städte das Thema Abnehmen besonders bewegt.

Wir von GoLighter haben das Suchverhalten rund um das Thema Abnehmen in den 19 größten deutschen Städten ausgewertet. Untersucht wurden insgesamt 119 Keywords aus acht Kategorien – von klassischen Diäten über Kalorienrechner bis hin zu Abnehmspritzen. Für jede Stadt liegen uns sowohl der Jahresdurchschnitt der Suchanfragen als auch die konkreten Zahlen für Januar 2025 und Januar 2026 vor, da der Januar als Hoch-Zeit der guten Vorsätze gilt. Das erlaubt nicht nur einen Blick darauf, wo der Wunsch nach Veränderung am größten ist – sondern auch darauf, ob sich hinter dem klassischen Januar-Hoch ein echter, nachhaltiger Trend verbirgt. 

Und so viel vorweg: Deutschland verändert gerade grundlegend, wie es abnehmen will.

Frankfurt sucht doppelt so viel wie Berlin – das Abnehm-Ranking

Nicht überall in Deutschland ist das Interesse am Abnehmen gleich groß – zumindest nicht, wenn man Google-Suchanfragen als Gradmesser nimmt. Um die Städte fair miteinander zu vergleichen, haben wir die monatlichen Suchanfragen auf je 100.000 Einwohner normiert.

Das Ergebnis ist eindeutig: Frankfurt am Main landet mit 5.670 Suchanfragen pro 100.000 Einwohner im Januar 2026 auf Platz 1 – und lässt damit alle anderen Städte weit hinter sich. 

Dahinter folgen Köln (3.521), Düsseldorf (3.438), Stuttgart (3.318) und Nürnberg (3.309). Das Schlusslicht bildet Bremen mit 1.480 Suchanfragen pro 100.000 Einwohner – weniger als ein Drittel des Frankfurter Wertes. 

Zum Vergleich: Hamburg kommt auf 2.469, Berlin auf 2.334. Frankfurt sucht damit mehr als doppelt so häufig nach Abnehmthemen wie die Bundeshauptstadt.

Warum Frankfurt so deutlich vorne liegt, lässt sich aus den Daten allein nicht abschließend erklären. Denkbar ist, dass das hohe Einkommensniveau der Finanzmetropole sowohl das Gesundheitsbewusstsein als auch die Zahlungsbereitschaft für medizinische Abnehmtherapien stärkt – darunter auch verschreibungspflichtige Medikamente wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten.

Die Trendwende: Abnehmspritze verdrängt die klassische Diät

Das Städteranking zeigt, wie viel gesucht wird. Mindestens genauso aufschlussreich ist die Frage, wonach gesucht wird – und wie sich das verändert hat. Denn zwischen Januar 2025 und Januar 2026 hat sich in nahezu allen deutschen Großstädten ein bemerkenswerter Wandel vollzogen.

Das Gesamtsuchvolumen ist in den meisten Städten gesunken – in Frankfurt sogar um 41,2 %. Gleichzeitig hat eine Kategorie massiv an Bedeutung gewonnen: Dazu gehören Suchanfragen zu Abnehmspritzen und Medikamenten  wie Wegovy® oder Mounjaro® und anderen Abnehmmedikamenten sowie deren Kosten. Hier findet eine Verschiebung statt: Klassische Diätthemen verlieren an Interesse, medizinische Lösungen gewinnen.

Doch es gibt auch Ausreißer: Frankfurt am Main und Dresden trotzen dem bundesweiten Trend – als einzige Städte ist das Suchinteresse für Abnehmspritzen dort gegenüber Januar 2025 gesunken. Waren diese Städte einfach früher dran? Vieles deutet darauf hin, dass der Hype dort bereits seinen Höhepunkt überschritten hat – und sich das Interesse auf einem neuen, stabileren Niveau einpendelt.

Weniger Diät, mehr Medizin: Der Rückgang klassischer Abnehmstrategien

Während Abnehmspritzen boomen, bricht das Interesse an klassischen Diäten deutschlandweit ein. Unter den untersuchten Keywords waren lange Zeit beliebte Strategien wie Saftkur, ketogene Diät, Intervallfasten, Mittelmeerdiät, Low-Carb-Diät und viele mehr. Am stärksten trifft es Frankfurt (−55,4 %), Düsseldorf (−40,3 %) und Dortmund (−39,6 %). Selbst in Städten mit moderateren Rückgängen ist der Trend eindeutig: Die klassischen Diäten als Suchthema verlieren gegenüber medizinischen Alternativen deutlich an Boden.

Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren gesellschaftlichen Wandel wider: Immer mehr Menschen suchen nicht mehr nach Ernährungsplänen und Kalorienzählern, sondern nach medizinisch begleiteten Lösungen – ein Trend, den Fachleute seit dem breiten Markteintritt der GLP-1-Medikamente beobachten.

Wo Abnehmspritzen das Suchbild dominieren – Ost vs. West

Dass dieser Wandel kein isoliertes Phänomen ist, zeigt auch ein Blick auf die Zusammensetzung des Suchinteresses: Wie groß ist der Anteil der Abnehmspritzen-Keywords am gesamten Abnehm-Interesse einer Stadt? 

In Düsseldorf (41,9 %) und Essen (41,5 %) entfällt bereits fast die Hälfte aller untersuchten Abnehm-Suchanfragen auf Begriffe rund um Abnehmspritzen und Medikamente. Medikamentöse Gewichtsreduktion prägt hier schon jetzt den Abnehm-Diskurs.

In ostdeutschen Städten fällt dieser Anteil merklich geringer aus: Dresden kommt auf knapp ein Viertel, Leipzig auf 29,8 %. Tendenziell sind hier klassische Diätthemen noch präsenter als in westdeutschen Städten. 

Was steckt dahinter? Die Zahlen im Kontext

Das Thema Abnehmen ist in deutschen Großstädten so präsent wie eh und je, besonders zum Jahresstart – aber die Art, wie Menschen nach Lösungen suchen, hat sich fundamental verändert. Klassische Diäten und Ernährungspläne verlieren als Suchthema an Boden, während medikamentöse Ansätze – allen voran GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Ozempic® oder Wegovy® – in der ganzen Bundesrepublik auf steigendes Interesse stoßen.

Das ist kein kurzfristiger Hype. Die Daten zeigen, dass sich dieser Wandel quer durch alle Städte und Regionen zieht – von den Millionenstädten über den Osten bis in das Ruhrgebiet. Der Unterschied liegt nicht im „Ob“, sondern im „Wie schnell“: Manche Städte befinden sich mitten im Boom, andere – wie Frankfurt und Dresden – zeigen erste Anzeichen einer Konsolidierung nach frühem starkem Wachstum.

Wichtig ist dabei, was Suchanfragen messen und was nicht. Sie sind ein Indikator für Interesse und Informationsbedarf – nicht für tatsächliche Behandlungszahlen oder Verschreibungen. Dass jemand nach „Abnehmspritze Kosten" oder „Ozempic Nebenwirkungen" sucht, bedeutet nicht zwangsläufig, dass er eine Therapie beginnt. Es zeigt aber, dass das Thema in der breiten Bevölkerung angekommen ist und aktiv diskutiert wird.

Fazit: Abnehmen wird zur Medizin

Abnehmen bleibt eines der meistgesuchten Gesundheitsthemen in Deutschland – doch die Nachfrage verlagert sich: weg von Selbsthilfe und Diät, hin zu medizinisch begleiteter Therapie. Das steigende Interesse an Abnehmspritzen und GLP-1-Medikamenten spiegelt wider, dass immer mehr Menschen Übergewicht und Adipositas nicht mehr als reine Willensfrage betrachten, sondern als das, was es medizinisch ist: eine komplexe Erkrankung, die professionelle Unterstützung erfordern kann. Wie jede Therapieform haben auch medikamentöse Ansätze Voraussetzungen, Grenzen und Nebenwirkungen – weshalb eine fundierte medizinische Begleitung entscheidend bleibt.

Methodik

Die hier dargestellten Inhalte können unter Verlinkung dieser Seite als Quelle redaktionell frei verwendet werden.

Für diese Analyse haben wir ein Set aus 119 Keywords zusammengestellt, die relevante Suchanfragen rund um das Thema Abnehmen abdecken und die messbare Suchvolumina aufweisen. Dafür haben wir uns verschiedener Tools bedient. Die Keywords wurden in acht thematische Kategorien eingeteilt: Abnehmen Allgemein, Abnehmspritze / Medikamente, Apps & Rechner, Diäten, Ernährung, Hausmittel & Hilfsmittel, Kalorien sowie Sport & Bewegung. Eine vollständige Übersicht der Ergebnisse kann auf Nachfrage eingesehen werden. Ein Anspruch auf Vollständigkeit dieser Liste rund um das übergeordnete Thema Abnehmen besteht nicht.

Als Datengrundlage dienen die monatlichen Google-Suchvolumina dieser Keywords für die 19 größten deutschen Städte – erhoben für Januar 2025, Januar 2026 sowie als Durchschnitt der jeweils letzten 12 Monate. Die Daten stammen aus der SEO-Analyseplattform Keywordplanner und beinhalten Suchen bei Google. Suchvolumina werden von Google in gerundeten Intervallen ausgegeben – kleinere Abweichungen sind daher methodisch bedingt und sollten als Richtwerte verstanden werden. Die Auswahl der Städte basierte auf ihrer Größe und der damit verbundenen auswertbaren Anzahl an Suchvolumina. 

Um die Städte trotz ihrer unterschiedlichen Größe fair miteinander vergleichen zu können, wurden die absoluten Suchvolumina auf je 100.000 Einwohner normiert. Als Bevölkerungsgrundlage dienten die aktuellen Einwohnerzahlen der jeweiligen Städte.

Die Veränderungen im Jahresvergleich (YoY) wurden als prozentuale Abweichung zwischen Januar 2025 und Januar 2026 berechnet.