Dr. Johannes von Büren

Übergewicht — der Risikofaktor für Bluthochdruck

Menschen mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. Dieser kann wiederum zu schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Schlaganfall führen.

In diesem Artikel geht es um die Mechanismen, die bei Übergewicht oder Adipositas zu einem hohen Blutdruck führen. Außerdem erläutern wir die Folgen von Bluthochdruck und gehen auf Lebensstilfaktoren ein, mit denen der Blutdruck stabilisiert werden kann.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein normaler Blutdruck liegt in der Regel bei etwa 120 / 80 mmHg. 
  • Übergewicht ist eine der Hauptursachen für Bluthochdruck.
  • Eine Gewichtsabnahme sowie eine Änderung des Lebensstils durch eine gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und ein gutes Stressmanagement können den Blutdruck auf ein normales Level bringen.

Was ist Bluthochdruck? 

Bluthochdruck, auch bekannt als Hypertonie, ist ein Zustand, bei dem der Druck des Blutes in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Normalerweise wird der Blutdruck in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen und besteht aus zwei Werten: dem systolischen und dem diastolischen Druck.

Ein normaler Blutdruck liegt in der Regel bei etwa 120 / 80 mmHg. Bei Bluthochdruck liegt der systolische Druck bei über 140 mmHg und / oder der diastolische Druck bei über 90 mmHg. Es gibt verschiedene Grade, abhängig von der Höhe des Blutdrucks, von leichter bis schwerer Hypertonie.

Bluthochdruck ist ein ernsthaftes Gesundheitsproblem, da er das Risiko für verschiedene Komplikationen erhöht, wie z. B. Herzerkrankungen, Schlaganfall, Nierenerkrankungen und Augenschäden. Oftmals ist Bluthochdruck asymptomatisch, das heißt, dass Betroffene möglicherweise keine offensichtlichen Anzeichen oder Symptome bemerken.

Daher ist es wichtig, regelmäßig den Blutdruck zu überprüfen, insbesondere wenn Risikofaktoren wie Übergewicht, eine ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen oder familiäre Vorbelastungen vorliegen.

Bluthochdruck: Übersicht

Blutdruck Kategoriesystolisch (mm Hg)diastolisch (mm HG)
Niedrig10565
Optimal12080
Normal12985
Hochnormal130-13985-89
Hypertonie Grad 1140-15990-99
Hypertonie Grad 2160-179100-109
Hypertonie Grad 3>180>110

Die Tabelle stellt dar, ab welchen Werten ein zu hoher Blutdruck besteht. Dabei unterscheiden Mediziner:innen drei verschiedene Kategorien:

  • Schweregrad 1: milde Hypertonie – 140 bis 159 / 90 bis 99
  • Schweregrad 2: mittelschwere Hypertonie – 160 bis 179 / 100 bis 109
  • Schweregrad 3: schwere Hypertonie – über 180 / über 110

Um die Diagnose Bluthochdruck zu stellen, müssen Werte von über 140 / 90 mmHg bei mindestens drei Messungen an zwei unterschiedlichen Tagen vorliegen. Um den Blutdruck zu kontrollieren, wird meist ein 24-Stunden-Blutdruckmessgerät eingesetzt.

Bluthochdruck und Übergewicht – wie entsteht er?

Häufig hängt Bluthochdruck mit dem Gewicht zusammen. Übergewicht besteht ab einem BMI von 25 und ist eine der Hauptursachen für Hypertonie. Es gibt mehrere Mechanismen, durch die Übergewicht zu einem Anstieg des Blutdrucks führen kann. Häufig treten diese gemeinsam auf.

Überaktivität des sympathischen Nervensystems

Bei Übergewicht und Fettleibigkeit kann es zu einer erhöhten Aktivität des sympathischen Nervensystems kommen. Dies kann durch verschiedene Faktoren wie Insulinresistenz, einen erhöhten Leptinspiegel und entzündliche Prozesse im Körper verursacht werden. Die erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems führt zu einer Verengung der Blutgefäße, einer Erhöhung der Herzfrequenz und einer verstärkten Freisetzung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin. Diese Reaktionen erhöhen den Blutdruck.

Gestörte Nierenfunktion

Darüber hinaus kann eine erhöhte sympathische Aktivität des Nervensystems auch zu einer gestörten Nierenfunktion führen. Die Nieren spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks, indem sie den Flüssigkeitshaushalt und den Salzgehalt im Körper kontrollieren. Bei einer gestörten sympathischen Aktivität können die Nieren ihren regulierenden Einfluss auf den Blutdruck verlieren, was zu einem erhöhten Blutdruck führt.

Erhöhtes Blutvolumen

Übergewicht bewirkt oft eine Erhöhung des Blutvolumens im Körper. Der Körper benötigt mehr Blut, um das zusätzliche Fettgewebe zu versorgen, was eine Erhöhung des Herzzeitvolumens zur Folge hat. Das Herz muss härter arbeiten, um das zusätzliche Blut zu pumpen, dadurch steigt der Blutdruck.

Insulinresistenz

Übergewicht und Fettleibigkeit können eine Insulinresistenz verursachen, bei der die Zellen des Körpers nicht mehr auf das Hormon Insulin reagieren, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Insulinresistenz kann eine Verengung der Blutgefäße hervorrufen. Das kann dazu führen, dass mehr Elektrolyte wie Natrium ins Blut aufgenommen werden. Diese ziehen dann vermehrt Wasser in die Blutgefäße, was das Blutvolumen und somit den Blutdruck erhöht.

Schlafapnoe

Übergewicht ist auch mit einem erhöhten Risiko für Schlafapnoe verbunden, einer Störung, bei der die Atmung während des Schlafs kurzzeitig unterbrochen wird. Schlafapnoe kann den Blutdruck erhöhen, indem sie den Sauerstoffgehalt im Blut verringert und Stressreaktionen im Körper auslöst.

Die Folgen von zu hohem Blutdruck bei Übergewicht

Ein durch Übergewicht verursachter erhöhter Blutdruck (Bluthochdruck oder Hypertonie) birgt verschiedene Gefahren für Deine Gesundheit:

  • Bluthochdruck belastet das Herz-Kreislauf-System und kann zu Herzerkrankungen führen.
  • Durch den erhöhten Blutdruck können die Blutgefäße im Gehirn geschädigt werden, was das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. 
  • Chronisch hoher Blutdruck kann eine Schädigung der Nieren nach sich ziehen und das Risiko für Nierenerkrankungen, einschließlich Nierenversagen, erhöhen.
  • Die Blutgefäße in den Augen können geschädigt werden, was das Risiko für Augenerkrankungen steigert.
  • Bluthochdruck kann in einer Schädigung der Blutgefäße im gesamten Körper münden, was unter anderem Durchblutungsstörungen und Gefäßverschlüsse begünstigt. 
  • Bluthochdruck ist oft Teil des sogenannten metabolischen Syndroms, das durch eine Kombination von Risikofaktoren wie Fettleibigkeit, Insulinresistenz und erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerte gekennzeichnet ist. Das metabolische Syndrom erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, Diabetes und andere gesundheitliche Probleme.

Diese Risiken zeigen, wie wichtig es ist, den Blutdruck bei Menschen mit Übergewicht regelmäßig zu kontrollieren sowie die Notwendigkeit abzunehmen und einen gesunden Lebensstil zu etablieren.

Blutdruck senken durch Gewichtsabnahme

Eine Gewichtsabnahme beeinflusst den Blutdruck unmittelbar: Das Blutvolumen wird reduziert, wodurch der Druck auf die Arterien sinkt. Die Gefäßfunktion wird verbessert und die Insulinresistenz vermindert. Außerdem werden Entzündungen im Körper verringert.

Nicht jeder übergewichtige Mensch entwickelt zwangsläufig Bluthochdruck, aber Übergewicht erhöht das Risiko dafür deutlich. Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und eine Gewichtsabnahme können jedoch helfen, dieses zu verringern oder bei bestehendem Bluthochdruck diesen zu kontrollieren. Zudem solltest Du den Salzkonsum reduzieren, da Salz bei Übergewicht das Risiko für Hypertonie erhöht.

Zusammenfassung

Eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems, Insulinresistenz, Schlafapnoe, eine gestörte Nierenfunktion und erhöhtes Blutvolumen sind mögliche Gründe, weshalb sich Bluthochdruck bei übergewichtigen Menschen verstärkt entwickeln kann. Ein zu hoher Blutdruck kann unter anderem Herzerkrankungen, einen Schlaganfall sowie Gefäßerkrankungen zur Folge haben.

Die Behandlung von Bluthochdruck beinhaltet in der Regel eine Kombination aus gesunder Ernährung, regelmäßiger körperlicher Aktivität, Gewichtsregulierung, Vermeidung von Nikotin und Alkohol, Stressmanagement und in einigen Fällen auch eine medikamentöse Therapie.

Häufige Fragen

Hat das Sättigungshormon Leptin Einfluss auf den Blutdruck?

Kann eine Gewichtsabnahme den Bluthochdruck bei Adipositas vollständig normalisieren?

Haben Intervallfasten oder Diäten Auswirkungen auf den Blutdruck?

Ab welchem BMI-Wert soll ich auf meinen Blutdruck achten?

Quellenangaben

Links