Selten, aber gefährlich: Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Magen-Darm-Beschwerden sind eine häufige Nebenwirkung von Abnehmspritzen. In seltenen Fällen kann es auch zu einer potenziell gefährlichen Bauchspeicheldrüsenentzündung kommen.

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Das Wichtigste in Kürze

  • Bauchspeicheldrüsenentzündungen (Pankreatitis) können eine mögliche Nebenwirkung von Abnehmspritzen sein. 
  • In den meisten Fällen verläuft eine Pankreatitis unkompliziert, ohne schnelle Behandlung kann sie jedoch lebensbedrohlich werden.
  • Bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung solltest Du unbedingt sofort eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen.

Überblick

Die Bauchspeicheldrüse, medizinisch Pankreas genannt, spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung. Sie produziert nicht nur die Enzyme, welche die Nahrung in ihre Bestandteile aufbrechen, sondern liefert auch das für den Zuckerstoffwechsel unverzichtbare Insulin.

Ist die Bauchspeicheldrüse entzündet (Pankreatitis) werden die für den Darm bestimmten Verdauungsenzyme bereits in der Bauchspeicheldrüse freigesetzt, was dazu führt, dass sich das Organ im schlimmsten Fall quasi selbst zersetzt.

Mediziner:innen unterscheiden zwischen chronischer und akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung. Bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung handelt es sich um eine wiederkehrende Erkrankung, die eher schleichend mit leichten Beschwerden beginnt. Häufig, aber bei weitem nicht immer, ist sie eine Folge von Alkoholkonsum. Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung kann auch erblich bedingt sein, durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden oder auftreten, ohne dass eine klare Ursache vorliegt (idiopathisch).

Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung unterscheidet man nach Schweregrad:

  • Interstitiell-ödematöse Pankreatitis: Sie ist die weitaus häufigste Form der Pankreatitis. Sie hat einen leichten Verlauf und ist in der Regel in wenigen Wochen ausgeheilt.
  • Nekrotisierende Pankreatitis: Diese seltene, aber schwere Form der Entzündung kann dazu führen, dass das Gewebe der Bauchspeicheldrüse teilweise abstirbt (nekrotiert). In diesen Fällen kann es zu systemischen Komplikationen und Organversagen kommen.

Ursachen

Mit 45% sind Gallenwegserkrankungen (Gallensteine oder eine Verlegung des Gallengangs) die häufigste Ursache für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung. Gefolgt von Alkoholkonsum, der in 35% der Fälle der Auslöser ist. Eine nicht unerhebliche Zahl der Fälle, 15%,lässt sich jedoch auf keine konkrete Ursache zurückführen (idiopathisch).

In seltenen Fällen können auch Abnehmspritzen eine Pankreatitis auslösen, dies geben die Hersteller als Nebenwirkung an und wurde auch in neuesten Studien der University of British Columbia bestätigt. Ursache sind in diesem Fall die in den Spritzen enthaltenen zentralen Wirkstoffe (Liraglutid / Semaglutid), die den Appetit zügeln und die Magenentleerung verlangsamen. Diese sogenannten GLP-1-Agonisten haben in Versuchen der Forschenden an der University of British Columbia das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung um 9,09 Prozent erhöht. Jedoch bleibt das Risiko insgesamt sehr niedrig und diese Nebenwirkung selten.

Symptome

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung verursacht in der Regel

  • starke, plötzliche einsetzende, anhaltende Schmerzen im Oberbauch, die auch in den Rücken ausstrahlen können
  • Gummibauch (der Bauch ist prall und elastisch), starke Übelkeit, Erbrechen
  • Fieber
  • Kreislaufschwäche

In sehr seltenen Fällen können bläuliche Hautverfärbungen (Blutergüsse) am Bauchnabel oder an den Flanken auftreten. Sie sind Anzeichen einer schweren Pankreatitis.

Achtung
Solltest du den Verdacht haben, dass du eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hast, suche bitte unbedingt sofort eine Arztpraxis (außerhalb der Sprechzeiten ein Krankenhaus) auf. Dort bekommst du eine sichere Diagnose und die richtige Behandlung. Wird die Entzündung frühzeitig erkannt und behandelt, verläuft sie in der Regel unkompliziert. Ohne die richtige Behandlung kann sie jedoch lebensgefährlich werden.

Diagnose

Zur Diagnose gehört zunächst die körperliche Untersuchung des Bauches und eine Blutuntersuchung. Erhöhte Werte der Enzyme Lipase und Amylase sowie auffällige Blutzucker-, Nieren- und Leber- und Entzündungswerte können — müssen aber nicht — erste Hinweise auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sein. Durch eine  Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) kann der Arzt / der Ärztin mögliche Gallensteine erkennen und  Hinweise auf den Schweregrad der Entzündung sowie Anzeichen der Krankheit wie Schwellung der Bauchspeicheldrüse oder Wasseransammlungen in Bauch und Lunge erkennen. Um eine akute Pankreatitis sicher zu diagnostizieren müssen müssen 2 von 3 Untersuchungen auffällig sein: die Bildgebung, die Laborwerte oder die Untersuchung vom Bauch (starke Schmerzen im Oberbauch).

Ist die Diagnose weiterhin unklar oder möchte Deine behandelnde Person (oder Arzt/Ärztin) noch mehr Informationen über die Ausdehnung/ den Schweregrad der Entzündung haben, werden im nächsten Schritt eine MRT (Magnetresonanztomografie), eine CT (Computertomographie) oder eine Röntgenuntersuchung durchgeführt.

Behandlung

Bei einer Pankreatitis ist immer eine ärztliche Behandlung und meistens auch ein Krankenhausaufenthalt erforderlich. Schwere Fälle müssen zum Teil intensivmedizinisch betreut werden.

Die wichtigsten Elemente der Behandlung:

  • Flüssigkeitszufuhr
  • Überwachung der Nierenfunktion
  • Angemessene Schmerztherapie 
  • Fettreduzierte Ernährung

Verlauf und Prognose

In den meisten Fällen (80 %) verläuft eine Bauchspeicheldrüsenentzündung unkompliziert und die Betroffenen sind in der Regel nach ein bis zwei Wochen wieder vollständig geheilt. Kommt es zu Komplikationen, kann der Heilungsprozess jedoch auch bei einem leichten Verlauf mehrere Monate dauern.

Die schwere Form hingegen ist potenziell lebensbedrohlich. Hier hängt die Prognose davon ab, wie viel Gewebe zerstört wurde und ob weitere Komplikationen hinzukommen. Je mehr Pankreasgewebe abgestorben ist, desto schlechter ist die Prognose. 15 Prozent der Patienten / Patientinnen mit schwerer Pankreatitis sterben an den Folgen, die meist in ein Multiorganversagen münden.

Zusammenfassung

Neueste Studien belegen, dass die in Abnehmspritzen enthaltenen GLP-1-Agonisten das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) erhöhen können. Insgesamt ist das Risiko gering und diese Nebenwirkung selten. Typische Symptome sind starke Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen. Meist verläuft die Erkrankung unkompliziert, sie kann jedoch auch schwere Formen annehmen, die dann lebensbedrohlich werden. Bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung solltest Du daher immer sofort eine Hausarztpraxis oder außerhalb der Sprechstunden ein Krankenhaus aufsuchen.

Häufige Fragen

Wie merke ich, dass die Bauchspeicheldrüse entzündet ist?

Zu welchem Arzt gehe ich bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Muss ich bei einer entzündeten Bauchspeicheldrüse ins Krankenhaus?

Kann ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung zu Hause behandeln?

Wie lange dauert eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Was darf ich bei einer entzündeten Bauchspeicheldrüse essen?

Quellenangaben

Links